Reisebericht Malawi Teil 5

Tag 8 in Malawi   17.3.2025

Heute heißt es Abschied nehmen vom Krankenhaus in Mua, in dem ich in wenigen Tagen so viel erleben durfte. Großes Leid, schlimmste Verstümmelungen und Verletzungen, aber auch wiedergewonnene Lebensqualität, Schmerzfreiheit und Mobilität. Das alles durch die phantastische Ärztegruppe aus Schweden. Die Armut im Land konnte ich jeden Tag spüren. Die große Anspruchslosigkeit, das mit größter Geduld ertragene Leid. In der Umgebung des Krankenhauses konnte ich sehen, wie die Menschen leben. In kleinsten Hütten, nicht immer mit Strom ausgestattet. Sie haben ihren Rhythmus der Natur angepasst. Sie gehen ins Bett, wenn es dunkel wird und stehen im wahrsten Sinn des Wortes mit den Hühnern auf. Die meisten essen jeden Tag dasselbe, oft zweimal am Tag – Sima. Das ist ein Maisbrei, der nicht viel kostet und schnell herzustellen ist. Bei unserem Wochenendausflug nach Salima hätte unser Fahrer sich jedes Essen bestellen können auf unsere Kosten. Er ordert Sima. Nichts anderes kennt er.

Trotz der unzähligen Entbehrungen, die ich mit Sicherheit im Abgleich mit meinem Leben viel stärker wahrnehme, erlebe ich so viel Herzlichkeit und Dankbarkeit, obwohl ich nur die Aufgabe im Aufwachraum hatte. Alle kommen, um uns zu verabschieden mit viel ehrlicher Würdigung der Arbeit der Ärzte. Sie beschwören uns wiederzukommen. Cäcilie als Motor des gesamten Projektes ist die Lichtgestalt der Menschen. Sie ist das Versprechen für die stetige Weiterentwicklung des Krankenhauses, eine bessere medizinische Versorgung. Sie gibt die Richtung vor. Natürlich sind auch ihr und ihrer Stiftung Grenzen gesetzt, die sie immer wieder deutlich formuliert. Trotzdem sehen die Menschen in ihr eine Art Heilsversprechen.

Wir haben lange darüber gesprochen, wie schnell man vom individuellen Schicksal der Patienten überwältigt ist. Wie groß ist der Reflex, den einzelnen mit Geld oder Kleidung zu helfen! Eine Erfahrung, die wir alle machen, aber auch eine Falle, in die wir nicht treten wollen. Es ist so viel wichtiger in Infrastruktur zu investieren. Mit Geld, mit eigenem Engagement, mit Beratung und Anleitung. Wir helfen den Menschen hier nicht, in dem wir einzelne Löcher stopfen, individuelle Bedürfnisse bedienen. Wir helfen ihnen, sich auf ihre Füße zu stellen, einen Lebensplan zu entwickeln, ihnen Wissen zu vermitteln. So wie in dieser Woche die Zahnärztin aus Lübeck mit ihrem Zahntechniker, die jeden Tag junge Leute in Prothetik geschult haben. Das Ziel muss Unabhängigkeit sein. Das ist ein sehr weiter Weg, auf dem die Ärzte in dieser Woche ein großes Stück weitergekommen sind. Bei allen Operationen haben sie die lokalen medizinischen Kräfte geschult. Wenn einzelne vielversprechende junge Menschen finanziell gefördert werden, dann mit einer guten Ausbildung, wie es auch geschieht.

Meine Motivation diese Reise anzutreten, war die von uns sehr unterstützte Schule. Auch hier musste ich mich von einigen Illusionen verabschieden und der Realität stellen. Der Abschluss der Mädchen in der Secondary School befähigt sie eine Ausbildung zu beginnen. Nur wie und wo? Alle wohnen in den „Villages“. Die beiden größten Städte in Malawi – Lilongwe und Blantyre – sind unerreichbar. Wie auch ohne öffentlichen Nahverkehr, ohne Züge und selbstverständlich ohne Autos? Uns wird in dieser Woche klar, dass nur ein Bruchteil der Absolventinnen eine Ausbildung antreten wird. Also alles umsonst? Auf keinen Fall! Ein Mädchen mit einem guten Schulabschluss, mit der Fähigkeit zu lesen und zu schreiben, wird – hoffentlich – einem Mann selbstbewusster entgegentreten, eigene Bedürfnisse formulieren können und verstehen, dass es grundlegend wichtig ist, eine vernünftige Familienplanung zu machen. Außerdem haben wir mit dem Schulleiter über das Schulfach „Permakultur“ gesprochen. In den Dörfern ist nun mal „farming“, also Landwirtschaft, die nahezu einzige Einnahmequelle. Die Mädchen lernen in der Schule, den Boden optimal zu bestellen, unterschiedliches Gemüse anzubauen, was zu einer besseren Ernährung führt, und vielleicht mehr einbringt.

So gehen wir Schritt für Schritt voran, getragen von der Hoffnung für die herzlichen Menschen hier ein wenig mehr Zukunftsperspektive gemeinsam zu entwickeln.

Mittags fahren wir nach Lilongwe, um an nächsten Abend zurück nach Deutschland und Schweden zu fliegen. Wieder erhärtet sich in mir die Überzeugung, dass die Autofahrt in die Hauptstadt der gefährlichste Teil der langen Reise ist.

Dort bleiben wir für eine Nacht im schönen „Africa House“. Obwohl kaum Gäste da sind, ist die Zimmeraufteilung nicht klar, die Handtücher fehlen und auf das abendliche Essen warten wir fast neunzig Minuten. Der Lärm der wenigen Angestellten ist nicht zu überhören.

Auch das ist Afrika!

Tag 8 in Malawi   17.3.2025

Heute heißt es Abschied nehmen vom Krankenhaus in Mua, in dem ich in wenigen Tagen so viel erleben durfte. Großes Leid, schlimmste Verstümmelungen und Verletzungen, aber auch wiedergewonnene Lebensqualität, Schmerzfreiheit und Mobilität. Das alles durch die phantastische Ärztegruppe aus Schweden. Die Armut im Land konnte ich jeden Tag spüren. Die große Anspruchslosigkeit, das mit größter Geduld ertragene Leid. In der Umgebung des Krankenhauses konnte ich sehen, wie die Menschen leben. In kleinsten Hütten, nicht immer mit Strom ausgestattet. Sie haben ihren Rhythmus der Natur angepasst. Sie gehen ins Bett, wenn es dunkel wird und stehen im wahrsten Sinn des Wortes mit den Hühnern auf. Die meisten essen jeden Tag dasselbe, oft zweimal am Tag – Sima. Das ist ein Maisbrei, der nicht viel kostet und schnell herzustellen ist. Bei unserem Wochenendausflug nach Salima hätte unser Fahrer sich jedes Essen bestellen können auf unsere Kosten. Er ordert Sima. Nichts anderes kennt er.

Trotz der unzähligen Entbehrungen, die ich mit Sicherheit im Abgleich mit meinem Leben viel stärker wahrnehme, erlebe ich so viel Herzlichkeit und Dankbarkeit, obwohl ich nur die Aufgabe im Aufwachraum hatte. Alle kommen, um uns zu verabschieden mit viel ehrlicher Würdigung der Arbeit der Ärzte. Sie beschwören uns wiederzukommen. Cäcilie als Motor des gesamten Projektes ist die Lichtgestalt der Menschen. Sie ist das Versprechen für die stetige Weiterentwicklung des Krankenhauses, eine bessere medizinische Versorgung. Sie gibt die Richtung vor. Natürlich sind auch ihr und ihrer Stiftung Grenzen gesetzt, die sie immer wieder deutlich formuliert. Trotzdem sehen die Menschen in ihr eine Art Heilsversprechen.

Wir haben lange darüber gesprochen, wie schnell man vom individuellen Schicksal der Patienten überwältigt ist. Wie groß ist der Reflex, den einzelnen mit Geld oder Kleidung zu helfen! Eine Erfahrung, die wir alle machen, aber auch eine Falle, in die wir nicht treten wollen. Es ist so viel wichtiger in Infrastruktur zu investieren. Mit Geld, mit eigenem Engagement, mit Beratung und Anleitung. Wir helfen den Menschen hier nicht, in dem wir einzelne Löcher stopfen, individuelle Bedürfnisse bedienen. Wir helfen ihnen, sich auf ihre Füße zu stellen, einen Lebensplan zu entwickeln, ihnen Wissen zu vermitteln. So wie in dieser Woche die Zahnärztin aus Lübeck mit ihrem Zahntechniker, die jeden Tag junge Leute in Prothetik geschult haben. Das Ziel muss Unabhängigkeit sein. Das ist ein sehr weiter Weg, auf dem die Ärzte in dieser Woche ein großes Stück weitergekommen sind. Bei allen Operationen haben sie die lokalen medizinischen Kräfte geschult. Wenn einzelne vielversprechende junge Menschen finanziell gefördert werden, dann mit einer guten Ausbildung, wie es auch geschieht.

Meine Motivation diese Reise anzutreten, war die von uns sehr unterstützte Schule. Auch hier musste ich mich von einigen Illusionen verabschieden und der Realität stellen. Der Abschluss der Mädchen in der Secondary School befähigt sie eine Ausbildung zu beginnen. Nur wie und wo? Alle wohnen in den „Villages“. Die beiden größten Städte in Malawi – Lilongwe und Blantyre – sind unerreichbar. Wie auch ohne öffentlichen Nahverkehr, ohne Züge und selbstverständlich ohne Autos? Uns wird in dieser Woche klar, dass nur ein Bruchteil der Absolventinnen eine Ausbildung antreten wird. Also alles umsonst? Auf keinen Fall! Ein Mädchen mit einem guten Schulabschluss, mit der Fähigkeit zu lesen und zu schreiben, wird – hoffentlich – einem Mann selbstbewusster entgegentreten, eigene Bedürfnisse formulieren können und verstehen, dass es grundlegend wichtig ist, eine vernünftige Familienplanung zu machen. Außerdem haben wir mit dem Schulleiter über das Schulfach „Permakultur“ gesprochen. In den Dörfern ist nun mal „farming“, also Landwirtschaft, die nahezu einzige Einnahmequelle. Die Mädchen lernen in der Schule, den Boden optimal zu bestellen, unterschiedliches Gemüse anzubauen, was zu einer besseren Ernährung führt, und vielleicht mehr einbringt.

So gehen wir Schritt für Schritt voran, getragen von der Hoffnung für die herzlichen Menschen hier ein wenig mehr Zukunftsperspektive gemeinsam zu entwickeln.

Mittags fahren wir nach Lilongwe, um an nächsten Abend zurück nach Deutschland und Schweden zu fliegen. Wieder erhärtet sich in mir die Überzeugung, dass die Autofahrt in die Hauptstadt der gefährlichste Teil der langen Reise ist.

Dort bleiben wir für eine Nacht im schönen „Africa House“. Obwohl kaum Gäste da sind, ist die Zimmeraufteilung nicht klar, die Handtücher fehlen und auf das abendliche Essen warten wir fast neunzig Minuten. Der Lärm der wenigen Angestellten ist nicht zu überhören.

Auch das ist Afrika!