Reisebericht Malawi Teil 2

Tag 5 in Malawi   14.3. 2025

Heute mache ich mit meiner Freundin Cäclie einen Ausflug nach Nganja in die Tiyende Pamodzi Girls Secondary School. Die Entfernung beträgt höchstens 20 Kilometer. Aber in Malawi zählen Kilometer anders. Für die Strecke benötigen wir fast eine Stunde. Wieder das ganze Programm – Fußgänger ungehemmt im Verkehr, Fahrräder und Gegenverkehr in der eigenen Spur. Aber es ist hell, der Himmel blau. Nur die subtropische Feuchtigkeit macht uns schwer zu schaffen.

In der Schule angekommen, die ich bereits von einem früheren Besuch kenne, staune ich wieder einmal über den modernen Bau in ansprechenden Farben. Die Klassenzimmer sind gut möbliert und die blau-gelbe Schuluniform der Mädchen rundet den geordneten Eindruck ab. Der Stellvertretende Schulleiter empfängt uns mit sichtlicher Freude. Verständlich, denn mit uns kommt das so dringend erforderliche Geld. Der schöne Bau darf nicht über die gravierenden finanziellen Probleme der Schule hinwegtäuschen. Die Regierung des bettelarmen Landes kann kaum unterstützen, die Eltern erst recht nicht. Da sind internationale NGO’s gefragt, die im ganzen Land segensreich wirken. So werden auch drei Rotaryclubs in Norddeutschland – , unter anderem meiner –  mit Hilfe der Rotary Foundation in Chicago die Schule mit einer nicht unerheblichen Summe unterstützen. Wir gehen mit Mr. Yona den Katalog der Dinge und Maßnahmen durch, die vom rotarischen Geld finanziert werden sollen. Es ist ein unglaublicher Schub nach vorn für die Schule der 12-18-jährigen Mädchen. Computer, Lernmaterial, Betten für die Internatsschülerinnen… Sehr viele können den langen Weg nicht bewältigen und müssen während der Woche in der Schule übernachten. Nicht selten werden die sehr jungen Mädchen schwanger, da sie oft ungeschützt vom Elternhaus in der dörflichen Gemeinschaft leben. Deswegen gibt es eine Krippe, um schon die Kleinsten mitbringen zu können. Wieder einmal sagen wir den Schülerinnen eindringlich, wie wichtig ihre Bildung ist, das Tor zum selbstbestimmten Leben. Auch eine Schwangerschaft darf diesen Weg nicht unterbrechen.

Wir erleben sehr lernwillige junge Mädchen, die verstanden haben, welche Chance diese Schule ihnen bietet. Wir können nur hoffen, dass die Motivation bleibt, dass sie nicht irgendwann falsch abbiegen auf ihrem harten Weg.

Am frühen Nachmittag geht es zurück ins Krankenhaus, wo unsere unermüdlichen schwedischen Freunde und Freundinnen schon wieder seit dem frühen Morgen operieren. Sofort nehme ich meinen Platz im Aufwachraum ein. Vor mir liegt ein 12-jähriger Junge mit allerschwersten Verbrennungen, die er sich im Alter von 2 Jahren im Feuer zugezogen hat. Hals, rechter Arm und Brust sind vollständig mit Narben übersät. Von der rechten Hand ist nahezu nichts mehr übrig. Die großen Narbenflächen haben seine Bewegungsfreiheit zehn Jahre lang unendlich eingeschränkt. Er konnte weder seinen rechten Arm bewegen noch seinen Kopf drehen. In einer langwierigen Operation haben die Ärzte seinen Arm weitgehend freigelegt. Dafür mussten sie ihm einige Stücke Haut transplantieren. Damit haben sie ihm ein großes Stück Bewegungsfreiheit geschenkt, ebenso wie Schmerzfreiheit und mehr Selbstständigkeit. Seine blutjunge Mutter saß mit mir an seiner Liege, überwältigt von dem, was mit ihrem Sohn geschieht. Die Narkose, der tiefe Schlaf, beunruhigte sie sehr. Endlich schlug er seine Augen auf und sah seine Mutter an, die ihn ansprach „Prince“. Was für ein Name für ein derart versehrtes Kind. Er ist ihr Prinz. Das sind die Momente, die mir in Erinnerung bleiben.

Als ich am Abend in meiner gähnend leeren Lodge mein Abendmahl einnahm, saß am Nachbartisch ein deutsches Paar. Es ist in etwa so, als wenn ich einen Eisbären in diesem afrikanischen Schwitzkasten treffen würde, schoss es mir durch den Kopf.

Es dauerte wenige Minuten und wir waren im Gespräch. Es stellte sich heraus, dass es sich um die Vorsitzende der deutsch-malawischen Gesellschaft und ihren Ehemann – ein Hochschulprofessor, der in Kapstadt lehrt – handelt. Ein Paar, das sich seit Jahren sehr um die Belange dieses Landes kümmert, das viele Kontakte im Land pflegt und sehr genau über die aktuelle Situation informiert ist. Ein ehrenamtliches Engagement! Auch dieses Ehepaar konnte ich sofort meiner Sammlung der sehr beeindruckenden Persönlichkeiten auf dieser Reise hinzufügen.